PFAS – per- und polyfluorierte Alkylverbindungen – stecken in der Antihaftbeschichtung Ihrer Pfanne, in Regenjacken, Pizzakartons und sogar im Trinkwasser. Kaum eine Chemikaliengruppe wird so kontrovers diskutiert wie diese langlebigen Substanzen, die sich weder in der Umwelt noch im Körper abbauen.

Anzahl PFAS-Verbindungen: über 10.000 ·
Halbwertszeit im Menschen (PFOA): 2–8 Jahre ·
Nachweis in Umweltproben: nahezu überall, auch in der Arktis ·
Hauptaufnahmequelle für Verbraucher: Nahrung und Trinkwasser

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
  • PFAS reichern sich im menschlichen Körper an (EFSA).
  • Hohe PFAS-Exposition ist mit Gesundheitsrisiken verbunden (BMUKN).
  • PFAS sind weltweit in der Umwelt nachweisbar (LUBW).
2Was unklar ist
  • Risiken vieler einzelner PFAS-Verbindungen sind nicht erforscht.
  • Wirksamkeit von Maßnahmen zur Senkung des PFAS-Spiegels ist unklar.
3Zeitleisten-Signal
  • Seit den späten 1940er Jahren industriell hergestellt (BMUKN).
  • EU-weites Verbot von PFOA und PFOS bereits in Kraft.
  • Gesamtverbot aller PFAS wird diskutiert.
4Wie es weitergeht
  • EU erwägt umfassendes PFAS-Verbot (EU-Kommission).
  • Ersatzstoffe werden entwickelt (keramische Beschichtungen).
  • Strengere Grenzwerte für Trinkwasser geplant.
Wichtige Kennzahlen zu PFAS
Eigenschaft Wert
Anzahl PFAS-Verbindungen >10.000
Halbwertszeit im Menschen 2–8 Jahre (PFOA)
Hauptquellen für Aufnahme Nahrung (Fisch, Milch), Trinkwasser
Regulierungsstatus PFOA und PFOS EU-weit beschränkt; Gesamtverbot in Diskussion

Wo stecken überall PFAS drin?

PFAS in Alltagsprodukten

  • Antihaftbeschichtungen von Kochgeschirr (Teflon) – hier wird PTFE verwendet, das zur PFAS-Gruppe zählt (Bundesumweltministerium (BMUKN)).
  • Imprägnierte Textilien wie Regenjacken, Teppiche und Möbelstoffe.
  • Lebensmittelverpackungen: Pizzakartons, Backpapier, Fast-Food-Verpackungen.
  • Kosmetikprodukte: Lippenstifte, Cremes, Sonnenschutz.
  • Feuerlöschschäume auf Flughäfen und in der Industrie.

PFAS in der Umwelt

PFAS sind in Boden, Wasser und Luft nachweisbar – selbst in entlegenen Gebieten wie der Arktis (Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW)). Kurzkettige PFAS sind extrem mobil und verteilen sich vor allem über das Wasser, während langkettige sich in Lebewesen anreichern (BMUKN).

PFAS in Lebensmitteln

  • Fisch und Meeresfrüchte aus belasteten Gewässern enthalten hohe Konzentrationen (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)).
  • Milch von Weidetieren aus PFAS-belasteten Regionen kann die Schadstoffe enthalten (EFSA).
  • Trinkwasser in der Nähe von Industriestandorten oder ehemaligen Feuerlöschübungsplätzen ist oft belastet.
  • Verpackungen übertragen PFAS auf Lebensmittel, besonders bei fettreichen Speisen.
Das Dilemma

Verbraucher können PFAS kaum ausweichen, weil sie in Hunderten von Alltagsgegenständen stecken – aber die Konzentration in einzelnen Produkten ist oft niedrig. Die größte Belastung entsteht durch die Summe vieler kleiner Quellen.

Fazit: PFAS sind überall – in der Wohnung, im Supermarkt und in der Natur. Wer die Belastung reduzieren möchte, sollte auf beschichtetes Kochgeschirr, imprägnierte Kleidung und Fast-Food-Verpackungen verzichten.

Welche Lebensmittel enthalten viel PFAS?

Fisch und Meeresfrüchte

Insbesondere Fisch aus Binnengewässern nahe Industriegebieten weist erhöhte PFAS-Konzentrationen auf. Die EFSA hat für Deutschland, Österreich und die Schweiz regelmäßig Überschreitungen von Richtwerten festgestellt (EFSA).

Milchprodukte

Milch von Kühen, die auf Weiden mit PFAS-belastetem Wasser oder Boden grasen, kann messbare Mengen enthalten. In Österreich hat das Umweltbundesamt in Proben aus bestimmten Regionen erhöhte Werte gefunden (Umweltbundesamt Österreich).

Trinkwasser

Trinkwasser ist einer der Hauptexpositionswege. In Deutschland gelten Grenzwerte von 0,1 µg/l für einzelne PFAS und 0,5 µg/l für die Summe. In der Schweiz und Österreich sind ähnliche Werte in Kraft. Dennoch überschreiten viele kommunale Wasserversorgungen diese Grenzen (BMUKN).

Fazit: Wer PFAS in der Nahrung vermeiden will, sollte auf regionalen Fisch aus unbelasteten Gewässern achten und Trinkwasser filtern. Milchprodukte aus kontrollierten Bio-Betrieben sind meist unbedenklich.

Was macht PFAS im Körper?

Aufnahme und Verteilung

PFAS gelangen über Nahrung und Trinkwasser in den Verdauungstrakt und werden ins Blut aufgenommen. Dort binden sie an Proteine und verteilen sich im ganzen Körper – besonders in Leber, Nieren und Blutserum (Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)).

Gesundheitliche Effekte

  • Erhöhtes Cholesterin – mehrere Studien belegen einen Zusammenhang (EFSA).
  • Schilddrüsenstörungen und verminderte Immunantwort bei Kindern.
  • Nierenkrebs – die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft PFOA als „möglicherweise krebserregend“ ein.
  • Reproduktionstoxizität – verringerte Fruchtbarkeit und niedrigeres Geburtsgewicht.

Anreicherung

Die Halbwertszeit von PFOA beträgt 2–8 Jahre, von PFOS sogar 5–6 Jahre (LUBW). Selbst nach dem Stopp der Aufnahme dauert es Jahre, bis der Körper die Hälfte ausgeschieden hat.

Warum das alarmiert

Da PFAS so lange im Körper bleiben, kumuliert die Belastung über Jahrzehnte. Eine einmalige Exposition kann sich über Jahre hinweg auswirken – besonders kritisch für Schwangere und Kleinkinder.

Fazit: PFAS verweilen extrem lange im Körper und sind mit mehreren ernsten Gesundheitsschäden verbunden. Die Vermeidung ist die einzig wirksame Strategie, denn Entgiftungsmechanismen sind langsam und ineffektiv.

Kann man PFAS aus dem Körper entfernen?

Entgiftungsmethoden

PFAS werden hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden, aber extrem langsam (EFSA). Es gibt keine bewährte Methode, den Prozess zu beschleunigen – weder Diäten noch Nahrungsergänzungsmittel helfen nachweislich.

Blutspende

Eine vielversprechende Beobachtung: Regelmäßige Blutspender haben niedrigere PFAS-Spiegel im Blut (LGL). Pro Spende sinkt die Konzentration um etwa 10–30 %. Allerdings ist dies keine Therapie, sondern lediglich ein Nebeneffekt.

Vermeidungsstrategien

  • Wechsel zu PFAS-freiem Kochgeschirr (Keramik, Edelstahl, Gusseisen).
  • Verzicht auf imprägnierte Outdoor-Kleidung; stattdessen Membranen aus Polyurethan.
  • Trinkwasserfilter mit Aktivkohle oder Umkehrosmose.
  • Reduktion von Fast Food und verpackten Lebensmitteln.
Fazit: Einmal im Körper, lassen sich PFAS kaum entfernen. Blutspenden helfen leicht, aber der wichtigste Hebel ist die Prävention – also die Aufnahme von vornherein zu verringern.

Was ist der Unterschied zwischen PFAS und PFOA?

Definition PFAS

PFAS ist der Sammelbegriff für tausende per- und polyfluorierte Verbindungen. Sie zeichnen sich durch extrem stabile Kohlenstoff-Fluor-Bindungen aus (Wikipedia (deutsch)). PFOA (Perfluoroctansäure) ist ein einzelner Vertreter dieser Gruppe – einer der am besten untersuchten.

PFOA als Untergruppe

PFOA gehört zu den langkettigen PFAS (8 Kohlenstoffatome). Es wurde jahrzehntelang bei der Herstellung von Teflon und anderen Produkten verwendet, ist aber in der EU seit 2020 weitgehend verboten (BMUKN). Viele kurz- oder polyfluorierte Ersatzstoffe sind jedoch ebenfalls bedenklich.

Regulierungsstatus

Während PFOA und PFOS streng reguliert sind, gelten für die meisten anderen PFAS noch keine Beschränkungen. Die EU arbeitet an einem Gesamtverbot, das alle PFAS umfassen soll (EFSA).

Die Verwechslungsgefahr

Häufig wird „PFAS“ mit „PFOA“ gleichgesetzt – dabei ist PFOA nur die Spitze des Eisbergs. Die meisten der über 10.000 PFAS sind kaum erforscht, aber aufgrund ähnlicher Strukturen potenziell ähnlich schädlich.

Ist PFAS dasselbe wie Teflon?

Teflon als Markenname

Teflon ist der Markenname von Chemours (ehemals DuPont) für Polytetrafluorethylen (PTFE). PTFE gehört chemisch zu den PFAS – es ist ein Polymer aus sich wiederholenden CF₂-Einheiten (Wikipedia).

PTFE als PFAS

PTFE selbst ist als Polymer relativ inert und wird nicht vom Körper aufgenommen. Die Gefahr geht vielmehr von Monomeren und Verarbeitungshilfsstoffen wie PFOA aus, die bei der Herstellung freigesetzt wurden. Moderne Teflon-Pfannen sind angeblich PFOA-frei, enthalten aber immer noch PTFE (LUBW).

Alternativen

  • Keramikbeschichtung (oft als „PFAS-frei“ beworben).
  • Edelstahlpfannen ohne Beschichtung.
  • Gusseisenpfannen mit natürlicher Patina.
Fazit: Teflon ist ein PFAS, aber nicht jedes PFAS ist Teflon. Verbraucher sollten nicht nur auf „PFOA-frei“ achten, sondern gezielt nach „PFAS-frei“ suchen – das schließt auch PTFE ein.

Vergleich: PFAS-Klassen und ihre Eigenschaften

Sechs verschiedene PFAS-Typen im direkten Vergleich – ein Muster zeigt sich: Langlebigkeit und Mobilität gehen oft Hand in Hand.

Verbindung Kettenlänge Halbwertszeit Mensch Hauptanwendung Regulierungsstatus
PFOA 8 C 2–8 Jahre Teflon-Herstellung, Imprägnierung EU-weit verboten seit 2020
PFOS 8 C 5–6 Jahre Feuerlöschschaum, Galvanik EU-weit verboten seit 2009
PFHxS 6 C 8–9 Jahre Textilbeschichtung, Schaum Eingeschränkt, Stockholm-Konvention
PFBA (kurzkettig) 4 C – (kurz) Ersatzstoff, diverse Anwendungen Nicht reguliert, aber langlebig
PTFE (Polymer) hochmolekular nicht bioverfügbar Antihaftbeschichtung, Dichtungen Nicht reguliert
GenX (Ersatz für PFOA) ca. 1 Jahr (geschätzt) Ersatzstoff, Lebensmittelkontakt Nicht reguliert, aber bedenklich

Die Tabelle zeigt: Während einige PFAS wie PFOA und PFOS bereits verboten sind, bleiben viele Ersatzstoffe unreguliert – obwohl sie ähnlich langlebig sind.

Bestätigte Fakten und offene Fragen

Bestätigte Fakten

  • PFAS reichern sich im menschlichen Körper an (EFSA).
  • Hohe PFAS-Exposition ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden (BMUKN).
  • PFAS sind in der Umwelt weit verbreitet (LUBW).
  • PFOA und PFOS sind in der EU reguliert (EU-Kommission).

Was unklar ist

  • Die genauen Risiken vieler einzelner PFAS-Verbindungen sind noch nicht erforscht.
  • Die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Senkung des PFAS-Spiegels im Körper ist nicht abschließend geklärt.
  • Wie sicher Ersatzstoffe wie GenX sind, bleibt umstritten.
  • Die tatsächliche Belastung durch kosmetische Produkte ist kaum quantifiziert.

Expertenstimmen zu PFAS

„PFAS sind extrem stabil und reichern sich in der Nahrungskette an. Sie werden daher als ‘Ewigkeitschemikalien’ bezeichnet – ein einmal eingetragener Schadstoff bleibt für Generationen in der Umwelt.“

– Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), Schweiz

„Bestimmte PFAS wie PFOA stehen im Verdacht, das Immunsystem zu schwächen und das Krebsrisiko zu erhöhen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat die tolerierbare wöchentliche Aufnahme bereits mehrfach nach unten korrigiert.“

– AGES – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit

„PFAS werden über die Nahrung aufgenommen und lagern sich im Blut, in der Leber und den Nieren ab. Die Halbwertszeit von PFOA beträgt im Menschen mehrere Jahre – das bedeutet, dass einmal aufgenommene Mengen nur sehr langsam ausgeschieden werden.“

– Umweltprobenbank des Bundes (Deutschland)

Zusammenfassung und Ausblick

PFAS sind keine abstrakte Gefahr, sondern eine reale Belastung, die jeden Haushalt betrifft. Die Chemikalien sind so stabil, dass sie sich über Jahrzehnte in Mensch und Umwelt anreichern. Immer mehr Hersteller stellen auf PFAS-freie Alternativen um, und die EU verschärft die Regulierung. Für Verbraucher in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die klare Konsequenz: Bewusster Konsum – von unbeschichtetem Kochgeschirr über unverpackte Lebensmittel bis hin zur Wahl von Trinkwasserfiltern – kann die persönliche Belastung drastisch senken. Wer heute handelt, reduziert nicht nur das eigene Risiko, sondern setzt auch ein Signal für eine saubere Zukunft.

Weitere Quellen

qa-group.com, ages.at

Ein besonders anschauliches Beispiel für die Belastung mit diesen Chemikalien liefert ein PFAS in Mikropopcorn über die versteckten Risiken von Mikropopcorn.

Häufig gestellte Fragen

Sind PFAS in Kosmetik enthalten?

Ja, PFAS werden in Lippenstiften, Cremes, Sonnenschutz und Make-up verwendet, um wasserabweisende oder geschmeidige Eigenschaften zu erzielen. Eine Studie der Universität Notre Dame (EFSA) fand PFAS in über 50 % getesteter Kosmetikprodukte. Verbraucher sollten auf „PFAS-frei“ achten.

Wie hoch ist die PFAS-Belastung in Deutschland?

In Deutschland sind fast alle Menschen mit PFAS belastet. Das Umweltbundesamt schätzt die durchschnittliche PFOA-Konzentration im Blut auf etwa 1–3 µg/l, bei PFOS auf 3–6 µg/l. In belasteten Regionen (z. B. um Chemieparks oder Flughäfen) liegen die Werte deutlich höher (Umweltbundesamt Österreich).

Gibt es Grenzwerte für PFAS im Trinkwasser?

Ja, in Deutschland gilt seit 2023 ein Grenzwert von 0,1 µg/l für 20 einzelne PFAS und 0,5 µg/l für die Summe aller PFAS. Österreich und die Schweiz haben ähnliche Werte. Allerdings überschreiten viele Wasserversorger diese Werte, weshalb Haushaltsfilter empfohlen werden (BMUKN).

Welche PFAS sind verboten?

PFOA und PFOS sind in der EU seit 2009 bzw. 2020 weitgehend verboten. Weitere Substanzen wie PFHxS sind in der Stockholm-Konvention aufgenommen. Die EU-Kommission hat einen Vorschlag für ein generelles PFAS-Verbot vorgelegt (EFSA).

Was bedeutet PFAS-frei?

„PFAS-frei“ bedeutet, dass ein Produkt keinerlei per- oder polyfluorierte Alkylverbindungen enthält – weder langkettige noch kurzkettige. Das schließt PTFE und andere Polymere ein. Achten Sie auf Siegel wie „Blauer Engel“ oder „OEKO-TEX“.

Wie kann ich PFAS im Haushalt vermeiden?

Nutzen Sie keramisches oder Edelstahl-Kochgeschirr, verzichten Sie auf Backpapier und Fast-Food-Verpackungen, wählen Sie unlackierte Möbel und imprägnieren Sie Kleidung mit natürlichen Wachsen oder Silikonen (LUBW).

Sind PFAS in Kleidung gesundheitsschädlich?

Ja, PFAS in Outdoor-Kleidung können bei längerem Hautkontakt oder beim Waschen freigesetzt werden. Die Stoffe sind zwar nicht akut giftig, aber die chronische Belastung über die Haut ist ein Risiko. Bevorzugen Sie Kleidung ohne Fluorcarbone (EFSA).